Am nächsten Morgen buche ich spontan am Busbahnhof die Busfahrt nach Pucón. Chile, ich komme! Die Fahrt, wie auch der Grenzübergang verlaufen völlig ereignislos. Mein Plan für die nächsten Tage ist, eine Wanderung auf den wunderschönen, aktiven Vulkan Villarrica. Der Weg den 2847 Meter hohen, aktiven Vulkan hinauf soll zwar aufgrund des losen Gerölls sehr anstrengend, aber ob der Aussicht von dort oben, auch extrem lohnenswert sein.
Ein paar Stunden nach meinem Aufbruch sind wir auch schon in Pucón angekommen und ich checke im Hostel ein.


Das winzige Hostel mit seinen nur zehn Betten, ist wirklich süß und man fühlt sich eher, als wäre man, zusammen mit Gastkindern aus der ganzen Welt, zu Besuch bei einem extrem netten chilenischen Ehepaar. Wobei „chilenisch“ gar nicht so richtig stimmt, denn nur der Herr des Hauses ist waschechter Chilene, aber ich greife vor…
Kaum bin ich eingecheckt ruft mich Hostel-Mama „Irene“ zur allgemeinen Kennenlernrunde nach unten. Wir sind heute Nacht zu viert. Mit mir im Hostel sind noch Eva, eine andere Deutsche und Joup und Rasmus, zwei super nette Schweden. Joup, Rasmus und ich sind absolut auf demselben Level. Wir verstehen uns auf Anhieb so gut, dass uns Eva fragt, woher wir drei uns denn kennen würden. Wir ahnen noch nicht, dass wir uns nicht nur gut verstehen, sondern auch noch extrem ähnlich planen und uns noch in diversen anderen Städten wieder treffen werden, aber ich greife schon wieder vor…

Zurück zur Hostel-Mama: Als wir berichten, dass wir auf dieser Reise auch noch nach Peru wollen, ist die kleine, sympathische Irene plötzlich nicht mehr zu bremsen. Sie ist selbst in Peru geboren und aufgewachsen und nur der Liebe wegen nach Chile gezogen. Mit glühenden Augen erzählt sie uns von ihrer Heimat. Um den Jung-Touristen ein bisschen Kultur näher zu bringen und sie schon mal auf Peru vorzubereiten, oder vielleicht auch nur, weil sie nicht gerne alleine trinkt, bekommen wir von ihr spontan alle ein großes Glas „Pisco sour“ – das peruanische Nationalgetränk vorgesetzt. Irene ist total in ihrem Element, als sie uns diesen leckeren Cocktail zubereitet und es fehlt nicht mal das Salz am Glasrand. Sie erklärt uns, dass man den Cocktail sehr oft auch mit Zucker am Rand serviert bekommt, ihr allerdings schmecke Salz besser.

Joup und Rasmus sind gerade heute von ihrer dreitägigen Villarrica-Expedition wiedergekommen und berichten, ein bisschen niedergeschlagen, dass der erste zwar total super und die Aussicht wirklich atemberaubend war, allerdings ist schon am zweiten Tag das Wetter umgeschlagen und dank eines Tiefdruckgebietes mit vielen Wolken, war ab diesem Zeitpunkt die Aussicht gleich 0. Es war zwar eine sehr anspruchsvolle Wanderung, aber wenn man rein gar nichts sehen kann, stelle ich es mir eher trist vor. Dann hoffe ich, dass ich in den nächsten Tagen ein bisschen Glück mit dem Wetter haben werde.

Nach einem weiteren Pisco Sour und noch einem sehr schönen, langen Gespräch, gehen wir alle vier in unsere drei verschiedenen Zimmer. Was für ein Luxus. Einzelzimmer im Hostel.

Schon beim Frühstück sehe ich, dass man von dem sonst so majestätisch wirkenden, alles überragenden Vulkan absolut gar nichts sehen kann. Der Tourguide in der Tourist-Information hat leider keine besseren Wetteraussichten für die nächsten paar Tage. Da dieser Vulkan bei weitem nicht der einzige auf meiner Reise in den Norden bleiben wird, beschließe ich dieses Naturwunder ausnahmsweise links liegen zu lassen und morgen früh, zusammen mit Joup und Rasmus direkt weiter nach Valparaiso zu fahren.

Aber zurück zum Tag. Da wir, trotz des schlechten Wetters, total Lust haben uns noch ein wenig die Natur hier anzuschauen, beschließen wir vier eine Wanderung im Nationalpark Huerquehue zu machen und Abends zusammen in die heissen Natur-Thermalbecken zu gehen. Es ist dunkel, zwischendurch regnet es immer mal wieder ziemlich heftig, aber der Schönheit der Natur tut das absolut keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, irgendwie entfaltet der dichte Wald gerade in diesem nebligen Schleier, eine ganz besondere, magische Atmosphäre.
Die Hot Springs am Nachmittag machen den Tag perfekt. Völlig entspannt liegen wir vier als fast einzige Gäste in den heissen Natursteinbecken. Die Muskeln entspannen und entgegen unseren sonst eher euphorischen Gemütern werden sogar Rasmus, Joup und ich sehr, sehr ruhig.

Nach so einem perfekten Tag beschließen wir die Nacht ebenfalls noch zu nutzen und zusammen, quasi als Abschiedsparty, die lokale Disco zu besuchen. Also auf zur Disko Kamikaze. Die beiden fallen mit ihren blonden Haaren und knapp zwei Metern Körpergröße hier auf wie schwarze Schwäne. Wie schon gesagt sind Joup, Rasmus und ich total auf einer Wellenlänge und so unterhalten wir zusammen mit Rappen, Singen und Tanzen schon die gesamte Schlange vor der Disko. Keine Ahnung ob es daran lag, aber beim Türsteher angekommen, bekommen wir alle vier VIP Bändchen und Getränkegutscheine in die Hand gedrückt. Läuft!
Wir trinken, tanzen, unterhalten uns und lassen uns durchs Nachtleben treiben. Wir verlieren uns ein paar Mal aus den Augen, aber man muss sich einfach nur kurz umschauen um die blonden Hühnen in der Menge ausfindig zu machen. Der Abend wird länger und länger und wir schaffen es tatsächlich nur eine halbe Stunde bevor der Bus fährt (11.30 Uhr) ins Hostel zurückzukehren. Warum haben wir das Hostelzimmer heute Nacht noch mal gebucht? Ach ja, irgendwohin mussten wir die Rucksäcke ja legen 🙂

Wir müssen einen herzhaften Sprint einlegen, was sich mit unserem Restalkohol im Blut als schwieriger als angenommen herausstellt, aber wir schaffen es tatsächlich gerade noch so den Bus zu erwischen. Schwein gehabt.
Egal, der Abend war es auf jeden Fall wert und die Fahrt jetzt ist ja lang genug um sich ganz entspannt auszuschlafen…

 


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