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Der Morgen kommt früh, der Bus pünktlich. Das geplante Schlafen im Bus allerdings kann man getrost vergessen. Die Straßen sind so schlecht, dass man ständig, wenn man es trotzdem versucht, mit dem Kopf gegen das Fenster knallt. Na ja, dann halt Sight-Seeing und da gibt es tatsächlich einiges zu sehen. Wir bahnen uns den Weg durch den immer noch absolut unverständlichen und halsbrecherischen Verkehr in Hanoi. Ich frage mich, wie um alles in der Welt man hier einen Führerschein machen will. Niemand hält sich an irgendwelche Regeln, wie kann man sich da selbst an welche halten ohne dabei drauf zu gehen? Oder wird man einfach auf ein Motorrad gesetzt und muss versuchen eine Stunde lang zu überleben? Möglich wärs.

 

Nach ungefähr einer Stunde sind wir endlich raus aus Hanoi und machen eine kleine Pause an einem Touristenshop. Der Shop ist gleichzeitig eine Integrationswerkstatt für geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen. Mitten im Shop werden an diversen Webtischen die unglaublich aufwendigen, traditionellen Stoff-Bilder hergestellt. Ich bin wirklich begeistert von dieser Kunst, wird doch ein Bild aus hunderten verschiedener Fäden hergestellt. Ein Din-A4 Bild ist in etwa ein Monat Arbeitszeit. Alles Handarbeit. An den Wänden hängen Bilder bis zu zweieinhalb Meter Durchmesser. Unglaublich präzise Handarbeiten, so gewebt, dass die Lichteffekte, die mit helleren Fäden gewebt sind, das Bild dreidimensional erscheinen lassen. So etwas habe ich noch nie vorher gesehen.


Im Shop treffen wir auf einen jungen Deutschen, Alex, der uns erzählt, dass man quasi bei jeder Tour die man bucht, immer an ähnlichen Shops Rast einlegt. Auf meine Nachfrage hin, beruhigt er mich allerdings dahingehend, dass dies der erste Shop mit integrativer Arbeit sei.

 

Wir verabschieden uns und steigen wieder in unseren Bus. Nun führt uns die Fahrt über zahllose Dörfer. Die ersten paar bestehen zu 80% aus Schuhwerkstätten. Wohin man auch schaut, in fast jedem Haus sieht man Lederrollen, Schuhvitrinen und an Schuhwerk arbeitende Menschen. Mein Soundtrack gerade dazu: Rammstein. Herrlich skurril.

 

Nach einiger Zeit ändert sich das Bild komplett. Wir fahren an endlosen Reisfeldern vorbei. Auf jedem einzigen wird gearbeitet. Aber nicht nur dort, auf der Hauptstraße auf der wir uns bewegen, in so gut wie jedem Innenhof, in jeder Seitenstraße, kurz: Auf allen ebenen geteerten Flächen liegt Reis. Fingerdick und einen Meter breit am Straßenrand, auf den Flächen vor den Häusern auch sehr viel breiter. Das es manchmal aufgrund des Verkehrs unweigerlich dazu kommt, dass der ein oder andere auf diese Reisflächen ausweichen muss stört hier niemanden. Fast eine Stunde lang ändert sich das Bild kaum. Ich denke: besser Reisstraßen als Reichsstraßen. Muahaha!

So genug Schenkelgeklopfe, wir sind da und werden auch sofort (nicht ohne vorher nochmal die Chance zu bekommen Sonnenmilch oder einen Hut zu kaufen) auf ein kleines Ruderbötchen verfrachtet. Dank des ziemlich übergewichtigen irischen Pärchens, liegt dieses ziemlich satt im Wasser. Will heissen: Das Wasser steht ungefähr einen halben Finger breit unter der Kante des Bootes.

Eine ältere Dame rudert unsere sechsköpfige Reisegruppe eine komplette Stunde lang über den breiten Fluss. Respekt vor so viel Kraft und Ausdauer. Beim Aussteigen haut es mich um ein Haar, aufgrund des extrem wackeligen Steges fast ins Wasser. Ein Hoch auf meine Reflexe! Wir bekommen noch ein kleines Mittagessen bevor es mit der Seilbahn auf zur Pagode geht.

 

Die Seilbahn ist zwar österreichischer Herkunft, trotzdem traue ich weder der Konstruktion, noch der Wartung so richtig über den Weg. Egal, mitgehangen, mitgefangen (höhö). Wir kommen, zwar mit einigen, vermutlich ungewollten Stops, aber unversehrt am oberen Ende des Berges an. (auch diese Fahrt ist komplett auf meiner Kamera, und hier bei YouTube zu sehen).

Unser Tourguide erzählt uns einiges zur Entstehung der Pagode und deren Namen. So rührt zum Beispiel der Name Parfüm-Pagode daher, dass in den Sommermonaten überall an den Berghängen eine bestimmte Blumensorte blüht, welche sich mit dem Duft der anderen Vegetation und der Bergluft zusammen zu einem sehr wohlriechenden, parfümartigen Duft zusammenschliesst. Die Pagode ist die zweite dieser Art im Land, sie stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert und ist die einzige Tempelanlage in Vietnam, die im inneren einer Höhle liegt. Die erste Parfüm-Pagode ist in Zentralvietnam zu finden und noch um zwei Jahrhunderte älter.

 

Die Pagode ist wirklich atemberaubend. Über 112 steile Steinstufen gelangt man in eine riesige, natürliche Höhle. Ungefähr fünfzig Meter weiter im Inneren der Höhle, befindet sich dann der Gebets- und Altarraum. Für meinen Geschmack etwas zu kitschig mit bunten Blinklichtern überladen. Andere Länder, andere Sitten. Die Pagode ist aber definitiv eine Reise wert.

Während unser irisches, älteres Pärchen den Lift zurück nimmt, machen wir uns an den gut eine Dreiviertelstunde langen Abstieg. Unten angekommen haben wir noch Zeit uns die Tempelanlage am Fuß des Berges anzuschauen. Insgesamt gehören 19 verschiedene Pagoden zu diesem Komplex. Das größte Pagoden-Ensemble in ganz Vietnam.
Die jetzige liegt zwar nicht in einer Höhle, ist aber dennoch nicht weniger beeindruckend. Umgeben von uralten Bäumen geht man hier keine Stufen hinunter, sondern hinauf, um zum Tempel zu gelangen. Derer gibt es, oben angekommen, gleich drei. Einen Haupttempel im mittleren Bereich und jeweils eine zu beiden Seiten, in extra abgetrennten Bereichen. Alle sind begehbar und dürfen sogar (zum Teil) von Innen besichtigt werden (Schuhe ausziehen!).

 

Die gleiche Dame, die uns her-gerudert hat, bringt uns auch heil und sicher wieder zu unserem Bus zurück, der uns über dieselben holprigen Pisten auch wieder zurück in die Stadt bringt. Auf der Rückfahrt frage ich unseren Tourguide nach den Reisbauern. Tatsächlich haben wir mehr als Glück dieses unglaubliche Schauspiel bewundern zu dürfen. Es gibt nur zwei Reisernten pro Jahr (nur im Mekong-Delta sind es drei), und während der Erntezeit gibt es auch nur maximal zwei Tage, an denen der Reis getrocknet wird.

Das Bild ist wirklich skurril und schön zugleich. Überall auf den Feldern, auf den Straßen und in den Höfen stehen nun Reissäcke herum. Die mit Reis bedeckten Flächen sind ungefähr zu zwei Dritteln verschwunden. Einige Arbeiter sind immer noch mit Auffegen und Einschaufeln beschäftigt. Die Luft ist aschgrau und komplett vernebelt, denn überall werden nun die nach der Ernte übrig bleibenden Reis-Ähren verbrannt. Eine Sammelstelle dafür gibt es nicht, jeder zündet seinen Haufen dort an, wo er eben liegt. Jetzt wird uns auch klar, warum die Reisbauern alle Schutzmasken über Mund und Nase tragen. Diese Masken sind zwar in der Stadt, aufgrund des derben Smogs durch all die Motorräder gebräuchlich, doch in den Dörfern hat es für uns bisher nicht viel Sinn gemacht. Der stechende Geruch des Feuers dringt trotz geschlossener Fenster ins Innere und lässt uns so manches Mal blinzeln und husten. Sehr interessant mal gesehen zu haben, wie viel Arbeit die Reisproduktion ist.

 

Während wir uns durch den dichten Verkehr nach Hanoi durchschlagen, geht die Sonne langsam unter. Der Smog und die tausenden Reisfeuer leisten ihren Beitrag zum Kitsch und färben die letzten Strahlen der Sonne blutrot. Was für ein Bild!

Zurück in Hanoi suchen wir uns wieder ein Plastikstuhl-Straßenlokal und lassen es uns schmecken. Dieses Mal mit einer beheizten Pfanne auf dem Tisch, in der das rohe Essen, in unserem Fall Rindfleisch und diverses Gemüse, gar gebraten wird. Das Fleisch ist unglaublich zart und fantastisch gewürzt. So gut habe ich bisher nur am aller ersten Abend im Restaurant gegessen. Allerdings dort auch ungefähr drei mal teuer.

Als unser Kellner uns gerade die Pfanne auf den Tisch stellt hat, spricht uns jemand von der Straße aus an. Alex. Prompt setzt er sich mit dazu, bestellt sich dasselbe und isst mit uns zu Abend. Da er genau anders herum gereist ist, von Saigon aus in den Norden, konnten sowohl wir ihm, als auch er uns hilfreiche Tipps und lohnende Anhaltspunkte geben. Boris und ich ziehen danach noch weiter, zur nächsten Garküche um uns noch ein Paar Mozarella-Sticks als Nachtisch zu gönnen. Boris geht danach zurück zum Hotel, ich allerdings habe mich für später mit Alex an einem Hostel verabredet.

Diese Partynacht war verrückter und noch länger als die voran gegangene und führte uns durch fünf(!) verschiedene Bars. Gegen drei Uhr bin ich in unser Hotelzimmer geschlichen um Boris nicht aufzuwecken.
…kennt ihr die Szene aus dem Film „Die Maske“, in der Jim Carey über den Flur schleicht und sein Wecker plötzlich los geht? In etwa so kam ich mir vor, denn, ich selbst war zwar leise wie eine Katze auf Schleichpfaden, unser elektronisches Schloss an der Tür meinte aber, wohl dadurch, dass wir eine andere Karte benutzten um einen Schlüssel und gleichzeitig Strom zu haben, Alarm schlagen zu müssen. Ich schloss die Tür also wieder und versuchte es erneut, mit demselben Ergebnis. Nun war Boris natürlich wach und stand genervt auf, doch auch er konnte nichts gegen das immer wieder losgehende BIEPBIEPBIEP, von unserer elektrischen Tür unternehmen. Irgendwann schlossen wir einfach die Tür und warteten ab, nach einer halben Minute verstummte die Tür von selbst und ich konnte endlich und Boris endlich wieder, schlafen gehen. Wie gut, dass uns morgen früh der Bus schon wieder um acht Uhr abholt…. Uaaaa! Warum muss ich auch immer die halbe Nacht unterwegs sein?

 

Hi, ich bin Sören
Musiker, Schauspieler und leidenschaftlicher Reisender.

Ich habe nicht umsonst ein Album, dass „Fernweh“ heisst. Lasst mich Euch auf dieser Seite damit anstecken und zu Euren eigenen Abenteuern inspirieren.

Auch Selbstständig/Freiberufler?
Diese Online-Buchhaltung erleichtert mir seit Jahren enorm das Leben.

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