Nach meinem 800 Kilometer langen Umweg über Puerto Madryn um noch einmal via Azimo Geld abheben zu können (der Wechselkurs dieser Online-Bank lag noch über dem auf der Straße üblichen, eh schon höheren Blue-Dollar Kurs), fahre ich nun Richtung Westen. Ich möchte bei Futaleufú, weit im Süden Chiles die Grenze überqueren und mir den Nationalpark Corcovado anschauen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

In Esquel, meinem letzten geplanten Stop in Argentinien, mache ich noch einen Ausflug in den nahen Nationalpark Los Alerces. Der Park wurde angelegt um die wenigen verbliebenen patagonischen Zypressen (auf spanisch Alerces) zu schützen. Einige dieser Bäume im Park werden auf über 3500 Jahre geschätzt. Gigantisch.
Ein Großteil des Parkes ist allerdings für Forschungszwecke gesperrt und Touristen gar nicht zugänglich. Es war tatsächlich extrem schwierig im Vorhinein Informationen zum Park zu bekommen. Ich weiss also weder wo ich den Park betreten kann, noch welche Wanderwege es gibt. Also auf das Glück vertrauen. Ich packe meinen Rucksack in mein Hostelzimmer, lasse mir beschreiben in welche Richtung der Park gelegen ist und halte an der ersten größeren Straße die ich kreuze, meinen Daumen in den patagonischen Wind. Ich habe mal wieder Glück und werde, keine 15 Minuten später von Carlos, einem freundlichen Argentinier mitgenommen, der zufällig dort vorbei fährt und natürlich weiss, wo man den Park am besten betreten kann.

Der Park kostet keinen Eintritt und die Wanderwege sind sehr gut ausgeschildert. Die meisten davon kann man ohne Probleme in einem Tag bewältigen. Auch anstrengende Anstiege gibt es hier kaum. Die Natur ist wieder mal atemberaubend schön. Ganz anders als im Parque Nacional Torres del Paine, aber unbedingt ebenfalls eine Reise Wert. Ich befinde mich hier zwar in einer der Niederschlag-reichsten Gebiete der Erde, aber der Park zeigt sich mir heute von seiner schönsten, sonnigen Seite. Die Farben der Seen, der Geruch der Erde, die ehrwürdig alten Zypressen – ich merke wie meine Schritte automatisch langsamer werden und ich mich entspanne. Bei einem kleinen Picknick am Lago Kruger, lacht mich sogar mein Joghurt an.

Kurz darauf setze ich meinen Weg fort und stehe an der nächsten Gabelung, an der ich abbiegen muss um zurück zu gehen, vor einem Schild: „Warnung vor dem Puma“ mit Anleitung (auf spanisch und englisch) wie man sich zu verhalten hat, falls man der Wildkatze begegnen sollte. Meine Entspannung weicht einer nun doch leichten Anspannung, aber die wilde Katze beobachtet mich nur unsichtbar aus dem Dickicht. Ob ich das nun gut – weil nicht vom Puma gefressen – oder schade – weil einen Puma in freier Wildbahn gesehen – finden soll, weiss ich allerdings noch nicht.

Der Bus vom Park Richtung Esquel ist zwar bis auf den letzten Platz gefüllt und ich habe auch keine Fahrkarte, aber glücklicherweise sind wir in Südamerika und nicht in Deutschland. Der Busfahrer winkt mich freundlich herein und setzt mich einfach in den Mittelgang. Er gibt mir auf spanisch zu verstehen, dass das ja kein Sitzplatz ist und ich somit auch keine Fahrkarte bräuchte. Ach man, wie sehr wünschte ich mir, dass viele der Deutschen sich eine Scheibe von dieser selbstverständlichen Freundlichkeit und Gelassenheit abschneiden mögen. „MIPM FAHRRAD NICH IN‘ ERSN WAGN!“

Mein kleines Hostel ist wunderschön und kaum betrete ich die Küche, werde ich von den dort gerade kochenden Franzosen prompt zum Essen eingeladen. Einzige Bedingung: Ich muss über den Parque Nacional Los Alerces berichten und Informationen zu Wanderwegen und dem Hin- und Rückweg preisgeben, denn sie haben nirgends Informationen finden können.
Ach so funktioniert das hier, denke ich, erzähle, esse und falle danach absolut selig über diesen perfekten Tag müde ins Bett.

 


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