Exakt fünf Jahre sind vergangen, seitdem mich meine bisher längste Rucksack-Tour über vier Monate lang durch Südamerika führte. Ich habe zwar dort fleißig Tagebuch geschrieben und auch viel fotografiert, allerdings bisher nie die Muße gehabt, diese lange Reise auch in einen Reiseblog zu formen. Das soll sich nun, exakt fünf Jahre später endlich ändern.
Ich werde die einzelnen Beiträge so posten, dass sie mit den Monaten meiner Reise übereinstimmen. Es wird also nun vier Monate lang jede Woche Beiträge aus Südamerika geben.

 

 

…endlich wieder unterwegs…

Dieses Mal führt mich mein Weg nach Südamerika.
Ursprünglich wollte ich in Bogotá beginnen und dann über Kolumbien, Ecuador, Peru und Chile nach Feuerland. Klang ganz gut, leider hatte ich aber nicht bedacht, dass ich dann genau in der Regenzeit in Venezuela ankommen und auch noch genau mit dieser gleichzeitig gen Süden reisen würde. Zum Glück habe ich diesen Planungsfehler noch rechtzeitig bemerkt und mich umentschieden.

 

Neuer Startpunkt: Argentinien. Buenos Aires ist gigantisch. Dagegen wirkt selbst Berlin klein. Die ersten paar Tage habe ich damit verbracht die Gegend um mein Hostel herum zu Fuß zu erkunden. Es gibt gefühlte tausend Buslinien, wobei die gleiche Linie nicht immer auch denselben Zielort hat. Sprich, man muss immer auf die Anzeige (das Schild in der Frontscheibe) schauen, oder den Fahrer fragen, um wirklich sicher zu sein, ob der Bus auch dahin fährt, wo man gerne hin möchte.

Buenos Aires bietet einfach alles. Interessante Architektur, eine sehr interessante Stadtentwicklung (wo hat man es sonst schon, dass ein kompletter Fluss umgeleitet wurde, um die Stadt um ganze zwei Kilometer für neue Wohnsiedlungen und einen Hafen zu erweitern), tolle Museen und Kunstausstellungen, ein fantastisches Nachtleben, bunte Märkte mit einzigartigem Kunsthandwerk, grandiose Restaurants, kurz: Alles was eine Großstadt interessant macht.

 

Dank der Schachbrettanordnung der Straßen (wie in New York), ist die Orientierung sehr einfach. Beim Bummel durch die Stadt trifft man immer wieder auf architektonische Meisterwerke, die manchmal nicht mal in den Reiseführern aufgelistet sind. Gerade auf dem Weg zur nächsten Subte- (Metro) -Station, bin ich gestern auf dieses außergewöhnliche Gebäude gestossen, von dem ich leider nicht mal weiss, was genau es beherbergt.

Perfekt für Reisende, die Interesse daran haben Spanisch zu lernen, sind die vielen mehr oder weniger gut und mehr oder weniger offiziellen Sprachtreffen in diversen Bars der Stadt (Tandem, Mundo Lingo, …).
 

An meinem ersten Abend in Buenos Aires habe ich, auf einem Deutsch-Argentinischen-Treffen Micha, einen deutschen Geigenbauer kennen gelernt. Nach dem Treffen sind wir noch mit einigen porteños (übersetzt etwa: Hafenbewohner, wie sich die Bürger von Buenos Aires selbst nennen) um die Häuser gezogen. Das Nachtleben ist genau nach meinem Geschmack: Es startet spät und geht meisst sehr lang. Perfekt für einen Nachtschwärmer wie mich.
Gegen acht, oder neun trifft man sich mit seinen Freunden um gemeinsam zu essen. Danach geht es weiter in eine Bar, bevor man dann gegen zwei, oder drei Uhr morgens in einen Club wechselt. Nach dem Clubbesuch, so zwischen sieben und neun Uhr morgens wird, bevor man sich verabschiedet, oft noch zusammen gefrühstückt.

Noch in derselben Nacht wurde ich von Micha zum Couchsurfen eingeladen, was ich sofort am nächsten Tag angenommen habe. Ich wohne also zur Zeit in San Telmo, einem sehr charmanten Stadtteil mit vielen Bars und Restaurants, in einer sehr netten 4er WG, von Geigenbauern und Medizin-Studenten und habe dort sogar mein eigenes kleines Zimmerchen. Perfekter geht es kaum. Ich wurde eingeladen gerne bis zum Wochenende zu bleiben und noch an der Geburtsagsparty von Claudio, einem WG-Mitglied mit zu feiern. Ich freue mich sehr, fühlt es sich doch direkt richtig schön danach an, angekommen zu sein.

 

Mein Spanisch lässt noch sehr zu wünschen übrig, aber ich arbeite daran… Das argentinische Spanisch ist ein wenig anders als das „Castellan“, welches man in Spanien spricht. Das doppel „L“ und auch das „Y“, wird nicht wie in Castellan als „J“ gesprochen (Majorka, Caje (Strasse), ceboja (Zwiebel)), sondern ist in Buenos Aires (und nur hier) ein scharfes „SCH“ (Maschorka, Casche, ceboscha). Auch das im spanischen gefühlt am meisten genutzte Wort „vale“ (okay/gut – „bale“ gesprochen), existiert im argentinischen nicht. Hier sagt man „dale“, oder sehr viel häufiger „joya“ (hosha gesprochen). Verwirrend und interessant. Bin mal gespannt wie mein Spanisch in ein- zwei Monaten aussieht… Für kleine, einfache Konversationen in der Bar, zum Einkaufen, nach dem Weg fragen und zum Essen und Trinken bestellen reicht es immerhin schon aus (…also… manchmal…).


Ach ja, ich werde das zwar nicht übersetzen, da es eh keine vernünftige Übersetzung dafür gibt, aber solltet ihr mal auf einen Argentinier, oder eine Argentinierin treffen, grüßt doch einfach mal mit „ché boludo“ und freut euch auf die Reaktion. Aber Vorsicht, diese Redewendung ist sowohl positiv, wie auch negativ besetzt, also am besten nicht mit jemandem ausprobieren, den ihr nicht kennt.

 

Eine meiner ersten Amtshandlungen war übrigens die, mein Handy zu zerstören. Irgendeine spontane Eingebung ließ mich mein S3 ausnahmsweise mal in meine hintere Tasche in Hose stecken, dort, wo ich normalerweise mein Portmonaie aufbewahre. Da es eine absolut beiläufige Handlung war, war sie natürlich schon vergessen, noch bevor ich darüber nachgedacht habe und ich habe mich erst wieder daran erinnert, als ich mich wenige Minuten später auf eine Marmor-Mauer setzte und sich mein Display mit einem lauten Knacken verabschiedete. Vielleicht wollte mir ja eine höhere Macht mitteilen, dass ich mal dringend eine Handypause nötig habe… Da das Handy beim Reisen allerdings essentiell ist und ich oft darüber nicht nur meine weiteren Schritte plane, sondern auch Hostels und Busse buche, beschließe ich das Display noch am selben Tag austauschen zu lassen. Shit happens.

So viel fürs Erste. Ich melde mich noch einmal, bevor ich Buenos Aires verlasse.
Ich sende euch blauen Himmel und viel, viel Sonne, aus dem über dreissig Grad heissen Argentinien.

 

 


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Musiker, Schauspieler und leidenschaftlicher Reisender.

Ich habe nicht umsonst ein Album, dass „Fernweh“ heisst. Lasst mich Euch auf dieser Seite damit anstecken und zu Euren eigenen Abenteuern inspirieren.

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