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Mir geht’s scheisse!
Mir ist schwindelig, mein Schädel brummt und mir ist schlecht. Dabei habe ich gestern nur ein einziges Bier getrunken. Ehrlich!

 

Aber von vorne: Ich war gestern Abend, nachdem wir zurück im Hotel waren, noch im Saigoner Nachtleben unterwegs. Gestern war schließlich Samstag und das will ich ja schon mal miterlebt haben. Ich bin direkt neben unserem Hotel in eine Bar mit Live-Musik gestolpert. Ein Typ am Schlagzeug, einer an einer Halbakustik-Gitarre und zwei Sängerinnen, covern quer durch den Rock Bereich, alles was mal irgendwie so was wie ein Hit war. Und das machen sie tatsächlich richtig gut. Die Instrumentalisten sind solide, die Stimmen der beiden Grazien ergänzen sich gut und sind rockig genug für Guano Apes & Co.

 

Plötzlich spricht mich ein Vietnamese von der Seite an. Man kommt ins Gespräch und ich erfahre so einiges über Saigon und über meinen Gesprächspartner. Sympathischer Typ. Spielt selbst auch Gitarre und singt hobbie-mäßig in einer kleinen Band. Nach kurzer Zeit gesellt sich noch ein Neuseeländer zu uns, der seit drei Monaten in Ho-Chi-Minh City, wie Saigon ja seit einiger Zeit heisst, als Lehrer tätig ist. Als ich die Karte bekomme, schaue ich erst einmal ungläubig auf die Saigoner Preise. 60.000 Dong für ein Bier? Das sind gute 2,20€! Klar, das mag nicht viel erscheinen, bedenkt man aber, dass ein Bier normalerweise ein Drittel des Preises kostet…
Der Vietnamese lacht und erzählt, dass das Saigoner Nachtleben ein wenig teurer ist als der Durchschnitt in Vietnam. Er winkt eine der Kellnerinnen heran, die er zu kennen scheint, und fragt, ob er mir, quasi unter Musiker-Kollegen, einen ausgeben darf. Keine Minute später habe ich einen halben, frisch gezapften Liter Bier in der Hand.

Ab hier wird das Gespräch ein wenig skurriler. Die Frage, ob ich kiffen würde, finde ich noch relativ normal. Doch als dann Fragen nach Koks und Opium kommen, mit dem Hinweis, ich sollte das doch einfach mal ausprobieren, finde ich den Kerl irgendwie nicht mehr ganz so sympathisch.
Als ich ungefähr drei-viertel meines Glases ausgetrunken habe, hat der Vietnamese plötzlich sein Handy in der Hand und fragt, ob ich noch mit den beiden weiterziehen wolle. Ich werde misstrauisch, bejahe aber und werde daraufhin aufgefordert das Glas zu exen. Ich sei ja schliesslich deutsch und könne das bestimmt. Ich stelle das Glas ab und sage den Beiden, dass ich noch kurz auf die Toilette muss, während die beiden sich durch den Pulk gen Tür schieben.

 

Ich bleibe stehen und merke, dass es mir irgendwie gerade komisch geht. Meine Hände zittern und mir ist unglaublich warm. Der nette Vietnamese, die Bestellung bei der Barfrau, das angedeutete Nicken in Richtung der Kellnerin, die Aufforderung zu exen und weiter zu ziehen… Der wird doch wohl nicht…

Ich lasse das letzte Drittel des Bieres stehen und begebe mich unverzüglich auf die Toilette. Ich halte noch einmal kurz inne und komme zu dem Schluss, dass es mir noch nie so seltsam nach nur einem Bier ging. Klo, Hals, Finger und los geht’s. Sicher ist sicher. 

 

Ich warte noch ein wenig und verlasse den Laden. Man ruft mir hinterher, aber die nächste Bar ist zum Glück nicht weit. Dort angekommen bestelle ich mir erst einmal ein Wasser und schaue was mein Körper so anstellt.
Nach einem weiteren Schweissausbruch und einem weiteren Besuch auf dem Klo geht’s mir um einiges besser. Der Pisser hat mir tatsächlich was in meinen Drink getan! Willkommen in Saigon, denke ich mir und begebe mich zurück ins Hotel.

Ich dusche noch, falle direkt danach ins Bett und schlafe augenblicklich ein.

Heute, nach dem Aufstehen bin ich mir zu 100% sicher: Da hat jemand versucht mir KO Tropfen unterzujubeln. Ich habe einen Kater, wie nach 10 Bier, mir ist schwindelig und gar nicht gut. Ich muss trotzdem grinsen, als ich daran denke, was der gute Mann davon gehabt hätte… Mein Portemonnaie wurde mir immerhin schon tagsüber geklaut und mein Handy habe ich vorsorglich eh im Hotel gelassen.

 

Ich fahre mit Boris zu zwei sehr schönen kleinen Tempeln im Altstadt-Bezirk der Stadt. Direkt danach besuchen wir noch den Markt, den wir eigentlich gestern schon sehen wollten. Er unterscheidet sich, ganz entgegen unserer Vermutung, unglaublich krass vom gestrigen. Alle Waren gibt es hier nur Paletten- oder Tütenweise. Nichts ist einzeln zu sehen. Schon vor dem Markt sieht man, wie Motoroller nach Motoroller bis zum Umfallen beladen werden. Beispiele gefällig?

 

Der Markt ist nicht annähernd so voll wie der gestrige, aber trotzdem hektischer. Hier kaufen, im Gegensatz zum Touri-Markt von gestern, fast ausschließlich Einheimische ein. Vielleicht kommt mir der Trubel ob meines tauben Kopfes, aber auch nur so krass vor. Irgendwie fühle ich mich heute komplett teilnahmslos an allem, was an mir vorbei zieht. Wir fahren zurück zum Hotel und ich krieche, während Boris noch einmal losfährt um einzukaufen, wieder in mein Bett. Schlafen…

 

Ich würde gerne noch so viel sehen, mich heute Abend noch mal ins Nachtleben stürzen (ja, trotz gestern), Früchte probieren gehen und noch einmal Motorbike in diesem Verkehr fahren, aber ich bin einfach zu platt. Oh man, und das am letzten Tag! Saigon wird nicht meine Lieblingsstadt…

Als Boris zurück kommt gehen wir noch einmal zusammen die Einkaufsstraße entlang und ich finde noch einige Mitbringsel für meine Lieben zuhause.

 

Ein letztes Mal einkaufen, ein letztes Mal durch die Motorbikes wühlen, ein letztes Mal alle fünf Meter „no, thanks“ zu Ladenbesitzern, oder Motorbike-Fahrern sagen. Irgendwie wird mir das schon fehlen. Ein letztes Mal schwitzen, bei nur zehn Meter gelaufenem Weg, ein letztes Mal die fremdartigen Gerüche in sich aufsaugen…
Dies ist bestimmt nicht mein letzter Besuch in Vietnam. Drei Wochen sind einfach zu kurz um diese andere Welt zu begreifen. Wir gehen noch ein letztes Mal das Straßenessen hier geniessen. Hot Pot. Hmmm, lecker, wie immer.

Der Abend klingt aus mit, ja, tatsächlich einem Bier in einer kleinen Bar und einem darauf folgenden, letzten Billardtournier, was am Ende, armer Boris, wieder einmal ich gewinne. Man, man, man, vier verlorene Tourniere in nur drei Wochen Vietnam und kein einziger Sieg…
Da muss wohl ein anderer Urlaub, mit einer Revanche folgen.
Bis dahin kann Boris ja in Deutschland noch ein wenig an seiner Technik feilen. 

 

Hi, ich bin Sören
Musiker, Schauspieler und leidenschaftlicher Reisender.

Ich habe nicht umsonst ein Album, dass „Fernweh“ heisst. Lasst mich Euch auf dieser Seite damit anstecken und zu Euren eigenen Abenteuern inspirieren.

Auch Selbstständig/Freiberufler?
Diese Online-Buchhaltung erleichtert mir seit Jahren enorm das Leben.

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