Der Aufenthalt auf meinem nächsten und letzten Inselziel „Tres Bocas“ ist zwar weniger deutsch als mein erster Aufenthalt in Tigre, aber definitiv nicht weniger strange. Dieses Mal werde ich zwar von dem Wasserbus auf der richtigen Seite der Insel abgesetzt (jap, man hat mich vorher kurzerhand einfach auf der falschen Seite der Insel aussteigen lassen anstatt darum herum zu fahren) Ich muss dieses Mal also nicht einem Steinpfad durchs Buschwerk folgen um auf die andere Seite der Insel zu gelangen, allerdings wäre das hier auch nicht so einfach getan, denn Tres Bocas ist circa 4x so groß wie die letzte Insel und die Umrundung hier würde statt zwanzig gute achtzig Minuten dauern, aber dazu später…

Ich folge erst mal wieder dem einzigen, betonierten (wow!) Pfad durch… ja, ihr wisst schon, und nach kaum 20 Metern gesellt sich ein streunender Hund zu mir. Einige hundert Meter weiter ein zweiter. Kurz denke ich an die aggressiven Hunde auf dem Jakobsweg, mit denen ich einmal das „Vergnügen“ hatte Bekanntschaft zu machen, aber die beiden hier sind sehr lieb und… ähm bitte? …scheinen mir den Weg zu zeigen den ich zu gehen habe, denn sie laufen vor, bellen kurz und biegen dann ab. Ich beschließe, dass diese Hunde sich vermutlich besser hier auskennen als ich und folge einfach treudoof meinen beiden vierbeinigen Touristenführern.

Keine zehn Minuten später komme ich an einen kleinen Kanal und gehe diesen zusammen mit meinen zwei Fremdenführern entlang. Auf beiden Seiten des Kanals stehen teils einfache, teils unglaublich luxuriöse Häuser. Die Abendsonne senkt sich langsam dem Fluss entgegen und die satten Farben der Blumen in der goldenen Abendsonne strahlen um die Wette. Verzeihung, wenn diese Beschreibung arg kitschig klingt, aber in Wirklichkeit war alles noch viel goldener und satter, als in jedem nachkolorierten Herr-der-Ringe-Streifen.

Die beiden Hunde weichen den ganzen Weg über nicht von meiner Seite und verscheuchen jeden Hund aus den Wohnhäusern umher, der mich anbellen will. Eine klasse guided Tour, fast wie gebucht. Fehlt nur noch das der andere Hund mir die örtlichen Gegebenheiten erklärt.

Irgendwann hört der betonierte Pfad einfach auf und geht in sumpfigen Matsch über. Ich gehe noch circa 200 Meter weiter und denke schon, dass ich den Hunden wohl doch nicht so arglos hätte vertrauen sollen, als ich auf eine sehr alte, unglaublich liebe Dame treffe. Die Omi strahlt übers ganze Gesicht ob des unerwarteten Besuches aus Deutschland und fragt mich 10 Minuten lang aus. Auf spanisch, klar. Ich verstehe zwar weniger als die Hälfte von dem, was Sie mir alles erzählt, aber ich versuche so gut es eben geht mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen (20%) und Händen und Füßen (80%) zu antworten und sie freut sich noch mehr, als sie hört, dass ich erst seit 3 Wochen überhaupt Spanisch spreche.

Die ganze Zeit über hält und tätschelt sie meine Hand und lässt mich erst nach etlichen besos (Küsschen) und Umarmungen und der Versicherung, dass ich auf dem richtigrn Weg bin wieder gehen.
Überhaupt sind die Menschen im Delta unglaublich entspannt und freundlich zu mir. So gut wie jeder auf den anderen Booten, oder am Flussrand winkt einem zu wenn man vorbei fährt. Wenn man nach irgend etwas fragt und die Leute merken, dass man sie nicht sofort versteht, wird so lange mit Händen und Füßen erklärt, bis das Gegenüber das Gefühl hat, dass man verstanden hat.
Sowohl die Hunde, als auch die alte Dame haben Recht behalten, denn nur fünf Minuten später esse ich Empanadas auf der Terrasse des einzigen Restaurants auf Tres Bocas (inklusive sprechendem Papagei), und fahre mit einem der letzten Boote in den Sonnenuntergang hinein, zurück nach Tigre Stadt. Was für ein großartiger Tag.

Jetzt habe ich doppelt Lust Buenos Aires endlich den Rücken zu kehren und mich weiter dem Landleben Argentiniens zu widmen.
Der nächste Tag führt mich nach La Plata. Ich besuche diese kleine Stadt aus genau einem einzigen Grund: Dem fantastischen archäologisch, paläontologisch und antropologischen Museum „Museo de la Plata“.

Leider komme ich aufgrund meiner Busverbindung erst gegen Abend in La Plata an und habe nur noch 2 Stunden Zeit für das Museum. Die Ausstellungen, prähistorischer Skelette, ausgestopfter Tiere, Korallen, Plakaten mit Evolutionserklärungen und archäologischen Funden sind dermaßen interessant und fesselnd, dass ich es in den gesamten zwei Stunden, nicht mal ins erste Obergeschoss schaffe, wo eine weitere, ähnlich große Ausstellung auf mich gewartet hätte.

 

Schade, aber allein das Untergeschoss war den Besuch der Stadt jetzt schon wert. Tipp von mir: Unbedingt ansehen und wenn man sich nur im entferntesten für Archäologie, Dinosaurier und die patagonische Tierwelt begeistern kann, mindestens 4-5 Stunden Zeit nehmen. Abends im Hostel bei Bier, Salat und Hühnchen werfe ich meine komplette Planung an der Küste entlang nach Süden zu fahren über den Haufen und beschliesse von Viedma bis Bariloche (ins Andengebiet, also in den tiefsten Westen von Argentinien), eine der letzten verbliebenen Eisenbahnstrecke zu nutzen, un in der Holzklasse (jap, die heisst tatsächlich so) des Tren Patagonico, für sagenhafte 7,60€ die knapp 1000 Kilometer quer durchs Land zu reisen.

Der historische Zug hat nicht nur ein Restaurant und ein Kino(!), sondern, für die 18 Stunden Fahrt auch einen Diskowagon(!!) mit an Bord. Das muss ich sehen.
Meine nächsten beiden Ziele von hier aus sind aber zuerst der Urlaubsort #1 der porteños: Mar del Plata und das kleine verschlafene Surferparadies Necochea.
Ich bin gespannt was mich erwartet…

 


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