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Santiago.

 

Angekommen. Den Waden des Barden geht es, trotz allmorgenlicher Kaelte immernoch gut. Trotzdem habe ich mich hier dazu entschlossen, doch noch die ein und andere Mark-Fuffzich in eine neue lange Hose zu investieren. (Wie ich meine Hosenbeine verlor…) Immerhin geht’s ja noch weiter nach Finisterre und Muxia. Mal sehen, vielleicht trau ich mich ja auch noch ins arschkalte Wasser des Meeres…

 

Wieso ich ueberhaupt nach Santiago gepilgert bin? Na, es ist doch Xacabeo, das heilige Jahr! Was an dem Jahr so besonders ist? Man bekommt alle seine Sünden vergeben! Nur deshalb pilgert der versuendigte Sören… (NICHT)

 

Was ich beim letzten Post vor lauter Anderspilgern ja glatt vergessen habe zu schreiben, sind meine Kilometerbewaeltigungen meiner letzten Woche auf dem Camino. Es ist wirklich unglaublich, wie man sich ans Laufen gewoehnt. Waren am Anfang noch 25km fast nicht zu schaffen und schmerzten einem die Fuesse des Abends nach dem Marsch, so gewohent man sich doch mit der Zeit an das Gewicht des Rucksackes und den Muskelkater der Beine…

 

Seit vorletzter Woche Freitag bin ich ueber 200km gelatscht. Und zwar im Rekordtempo… Freitag 25km, Samstag 41km, Sonntag 37km, Montag 50(!)km, Dienstag 23km, Mittwoch 35km, Donnerstag 20km.

Am Donnerstag bin ich dann puenktlich um 12Uhr in Santiago angekommen.

 

Den Abend vorher habe ich noch in Pinto de Arco mit einigen Spaniern einen sehr netten, feucht-froehlichen Abend verbracht. Ich habe einen ganzen Tisch von Spaniern dazu gebracht mit mir zusammen das „Halli, Hallo Elisabeth“ aus dem Vogelbeerbaum zu singen…

 

Aber ich war nicht der einzige Musiker dort… Es gab noch 2 spanische Schalmeien spielende Franzosen, die wirklich extrem gut waren.

 

Die bekloppten Spanier, habe ich dann in Santiago wiedergetroffen… aber wie. Ich kehrte vorgestern in der weltberuehmten „Casa Manolo“ ein, um mir ein delikates Pilgermenue in die Gaumentaschen zu schieben und mir mal wieder so richtig den Wanzt vollzuschlagen (was mir auch gelungen ist und zwar mit gefuehlten 2 Zentnern geroesteten Rippchen). Ich stehe also gute 20 Minuten draussen vor der Taverne an, um einen der begehrten Tische zu erhaschen. Endlich im Inneren geleitet mich Manolo hoechstpersoenlich an meinen Tisch, aber noch bevor er mir diesen zuweisen und ich mich setzen kann, schlagen ploetzlich sechs Spanier laut mit den Handflächen auf ihren Tisch und es erhebt sich ein wirres Gebruell quer durch den Raum, welches „HAAAALLIIIIII HALLOOOOOO ELIIIISABETH, LALALALA LALA LALALALA, HALLIII HALLOOO…“ zu deuten ist.

 

Meine spanischen Freunde sassen direkt um die Ecke an einem grossen Tisch und taten just das, was auch ich vorhatte – nein, nicht den Vogelbeerbaum groehlen, sondern essen. Zum Gegroele standen alle natuerlich standesgemaess auf und johlten aus voller Kehle durch das gesamte Restaurant. Sehr lustig. Aber wir sind ja in Spanien und nicht in Deutschland, also pikierte sich auch niemand.

Noch am selben Tag in der Herberge sah ich, dass es Internet umsonst gab und das sogar an 3 PCs… also… eigentlich… Denn zwei dieser drei waren kaputt. Ich machte dem Herbergsvater also das Angebot, ich koenne sie mir ja mal anschauen und mal sehen, ob ich sie nicht reparieren kann, da ich mich mit sowas ja relativ gut auskenne. Der Herbergsvater strahlte und fragte: „Du kennst dich also gut mit Linux aus?“

 

Linux? Scheisse, nee, nie mit gearbeitet… sagte aber: „Klar, natuerlich!“ und machte mich sofort daran zu sehen, was denn los ist. Nach zweieinhalb Stunden Google befragen und dem wohlbekannten Try&Error Prinzip, lief einer der beiden Rechner wieder reibungslos. Der andere machte mir mehr Probleme, da man ueberhaupt nicht mehr ins System kam, aber auch diesen (an dem ich uebrigens gerade sitze und tippe), habe ich gestern noch reparieren koennen. Daraufhin war der Herbergsvater so begeistert, dass ich nun so lange bleiben darf wie ich moechte und fuer mein Hostal in Santiago nichts mehr bezahlen muss 🙂

 

Nichtsdestotrotz schlief ich gestern auf einer fremden Couch. Ich wollte das Nachtleben von Santiago erkunden und schrieb einige Leute in Couchsurfing an, woraufhin sich folgendes ereignete:

 

Ich bekam von einem jungen Herrn eine Mail zurueck, bei derem Inhalt ich so lachen musste, dass ich fast vom Stuhl gekippt waere und mal wieder dachte „That’s the Camino“.

 

Besagter Mann, Jens mit Namen, schrieb, dass er vorhin in der Stadt essen war und jemanden gehoert hat, der Lieder von „Das Niveau“ sang. Nee, hat er sich gedacht, das kann ja garnicht sein, da hab ich mich bestimmt verhoert und kehrte daraufhin in ein Restaurant ein. Als er nach dem Essen an seinen Arbeitsplatz zurueckkehrte, hatte er meine Mail in seinem Couchsurfing Postfach. Ihm fiel mein Nickname (Ranarion) auf und er dachte sich: Mensch, das hast du doch irgendwo schonmal gehoert? Daraufhin fiel es ihm wie Schuppen aus den Haaren, dass er mich von YouTube kannte und das es dann wohl tatsaechlich ich war, der da vorhin, mitten in Santiago,  die Lieder von „Das Niveau“ gespielt hat. Zufaelle gibts…

Das Nachtleben in Santiago ist gut, wenn auch nicht so ausgepraegt und toll wie das in León. Ich war mit einer sehr netten WG unterwegs, bei denen ich in der Kueche auf dem Sofa schlief und habe spaeter in einem Club zufaellig noch wen getroffen? Klar, Jens.

 

Noch mehr tolle Zufaelle recht? Einen hab ich noch:
Als ich heute in die Herberge zurueckkehrte um meinen Rausch noch ein wenig auszuschlafen und noch einen Tag mehr Pause vor den 100km nach Finisterre einzulegen, ging ich ins Bad um mich zu rasieren. Als ich gerade eingeseift war und anfangen wollte die Messer zu schwingen oeffnete sich die Tuer und Peter (der Tscheche aus meinem allerersten Blog vom Camino) stand vor mir.

 

Wahnsinn… da laeuft man sich, obwohl man denselben Weg geht, innerhalb von 4 Wochen nicht ein einziges Mal ueber den Weg und ploetzlich trifft man sich in Santiago wieder…. verrueckt.
Wir beschlossen sofort zusammen etwas essen zu gehen und nachdem ich Peter von der Casa Manolo vorschwaermte, war auch schnell klar wohin…

 

Bin ja mal gespannt wen ich in Finisterre und Muxia noch alles so wiedertreffe. Beziehungsweise hier noch in Santiago bevor ich zurueckfliege…

 

Aber dazu dann mehr im naechsten Blog.

Hi, ich bin Sören
Musiker, Schauspieler und leidenschaftlicher Reisender.

Ich habe nicht umsonst ein Album, dass „Fernweh“ heisst. Lasst mich Euch auf dieser Seite damit anstecken und zu Euren eigenen Abenteuern inspirieren.

Auch Selbstständig/Freiberufler?
Diese Online-Buchhaltung erleichtert mir seit Jahren enorm das Leben.

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