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Heute heisst es mal wieder früh aufstehen. Der Bus für unsere Insel-Tour kommt um acht Uhr. Frühstück muss leider ausfallen. Nicht weil wir zu langsam wären, oder nicht aus dem Bett kämen, nein, das Hotel ist “zu neu”. Sprich: Es gibt zwar irgendwann mal, wie angegeben, Frühstücksbuffet im 10. Stock, dieses Stockwerk muss allerdings erst noch gebaut werden.

 

Wir werden wieder in einen kleinen Minibus gepackt, halten noch an ein paar anderen Hotels um weitere Touristen einzuladen (hey, es ist nur ein einziger Sitzplatz überbucht) und dann gehts auch schon ab, Richtung Hafen. Dort angekommen, sehen wir, wie ganze Touristenströme auf die immer gleichen Boote verteilt werden. Eines nach dem anderen legt, mit circa 50 Urlaubern in quietsch-orangenen Schwimmwesten an Bord, vom Kai ab.

 

Auf der kurzen Fahrt vom Hafen zum ersten Tagespunkt, dem Aquarium, werden wir mit top aktueller 90er Jahre Musik beschallt (Alalalalalong, alalalalalonglong le long long long) und unser (unglaublich cooler) Guide erzählt etwas vom Team, dem Tagesablauf und holt sich die ersten Infos über seine heutige Truppe ein. Amerikaner, Chinesen, Russen, Australier, Engländer, Schweden, Deutsche, Vietnamesen, Kanadier, wir sitzen sprichwörtlich alle im selben Boot.

Ladies and gentlemen, this is Mambo Number Five!
Wir fahren auf ein Gebilde zu, das aussieht als wäre ein Piratenschiff nach Jahrhunderten wieder dem Meer entstiegen. Das Aquarium.

 

Spektakulär ist das einpferchen von großen und kleinen Fischen, Seeigeln, Aalen, Haien und Schildkröten wohl nicht zu nennen, interessant ist es aber trotzdem. Bevor ich mich aber jetzt hier in ellenlange Ausschweifungen über Snapper und Co verrenne, schaut einfach selbst. So und so ähnlich hat es dort ausgesehen:

Wir sitzen gerade alle wieder an Bord unseres Bottes, als einer der Guides vom anderen Boot plötzlich aufgeregt etwas ruft und ins Wasser deutet. Schnell versammeln sich um diese Stelle einige andere Guides (unter anderem auch der unsere), starren ins Wasser und reden aufgeregt miteinander. Als unser Guide zum Boot zurückkehrt, frage ich ihn, was dort gewesen sei. Er antwortet, dass dort ein gut 2 Meter langer Hai schwimmen würde.
Hmm… im Aquarium sind die Viecher ja nett anzuschauen, aber nun so im offenen Meer, wo wir doch ganz in der Nähe jetzt schnorcheln gehen wollen…

 

Nun ja, so wirklich nah ist es dann doch nicht, wie sich herausstellt. Wir fahren gute 45 Minuten zum eigentlichen Schnorchelpunkt. Selbstverständlich mit „Rhythm is a dancer“.
Aufgrund der jüngsten Vorkommnisse erklärt uns der Guide noch einmal ganz in Ruhe, dass der Strand an dem wir nun schnorcheln gehen absolut ungefährlich sei. Es gäbe keine Haie oder gefährliche Tiere für uns, lediglich auf Seeigel sollte man immer achten.

 

Zuerst heisst es aber: Ausrüsten.
Ich drücke es mal aus, wie bei den Fahrrädern auf Cat Ba Island: Es hätte schlimmer kommen können.

 

Die Taucherbrillen sind zwar von anno dazumal, sehen aber (von den rostigen Schrauben einmal abgesehen) ganz okay aus. Die Schnorchel… Nun ja… Das vor mir garantiert schon um die 100 andere Menschen dieses Plastikteil in ihrem Mund hatten versuche ich einfach auszublenden. Ich schnappe mir Schnorchel und Brille und versuche mein Glück. Der erste Versuch geht leider völlig in die Hose. Nicht nur, dass mir, sobald ich mich auch nur in die Nähe des Wassers begebe, die Taucherbrille voll läuft, nein, ich schlucke auch einen ordentlichen Schwall davon (hmmm salzig), da sich auch mein Schnorchel als nicht dicht herausstellt. Boris hat mit denselben Problemen zu kämpfen. In Runde zwei sieht das Ganze bei mir dann schon deutlich besser aus. Der Schnorchel ist dicht, die Brille aber leider wieder eine Niete. Gut, dass ich vorgesorgt habe und mir direkt zwei Brillen mitgenommen habe. Hah! Und während Boris erneut über die Felsen zur Kiste hochkraxeln muss, finde ich mit Nummer drei nun endlich ein halbwegs dichtes Exemplar. Also auf, Korallen suchen.

Ich brauche nicht lange um mich an den ungewohnten Blick zu gewöhnen. Das Wasser ist herrlich klar, so dass man bis zum Grund sehen kann. Der Kopf ist nun unter Wasser, aber man kann normal atmen, ein seltsames Gefühl. Ich paddele weiter hinaus und nach nur wenigen Metern öffnet sich vor mir das kleine Riff. Bunte Fische schwirren in Schwärmen um mich herum und die Korallen leuchten zu mir herauf. Wow, was für ein Anblick. Jetzt verstehe ich, warum so viele meiner Freunde in letzter Zeit einen Tauchschein machen, da würde ich jetzt auch gerne hinunter tauchen… Boris hatte übrigens eine wasserdichte Hülle für sein iPhone dabei, mit dem wir sogar ein schönes Unterwasservideo drehen konnten. Hier gehts zum Unterwassertrip, im dritten Teil des Vietnam Specials auf meinem YouTube Channel.

 

Wir haben eine Stunde Zeit uns in Neptuns Reich ein wenig umzusehen, danach soll es weitergehen zur schwimmenden Partyinsel, mit Livemusik und Floating Bar. Wieder auf dem Schiff gibts aber erst mal etwas zu essen. Moment, was? Fünfzig Leute auf dem kleinen Kahn bekochen? Wie soll das denn gehen? Der Guide sagt an, dass zehn Leute an Deck essen können und wir melden uns sofort. Wir erklimmen das Schiffsdach und staunen nicht schlecht. Vor uns auf dem Boden steht ein einladendes kleines Buffet mit lokalen Spezialitäten. Frühlingsrollen, Reis, diverse Gemüse, Obst, Garnelen, allerlei anderes Meeresgetier, Nudeln, Hühnchen. Kurz, die Erwartungen wurden definitiv deutlich übertroffen.
Auch hatte ich damit gerechnet hier oben gegrillt zu werden, doch über das bisher karge Deck wurde ein kleines Stoffdach gespannt, so das wir alle entspannt im Schatten sitzen können. Wir teilen das Mahl mit vier jungen, unglaublich netten Mädels aus Australien, einer Mutter mit Sohn und dessen Kumpel aus Kanada, sowie einer älteren Damen aus England.

 

Hungrig stürzen wir uns aufs Buffet. Einfach, aber lecker, wie in den Straßenrestaurants. Man kommt ins Gespräch und wir erfahren wieder einiges über Kambodscha, Laos und Thailand. Man, sollte ich hier her noch mal irgendwann eine Tour unternehmen, werde ich garantiert auch zwischen den Ländern hin- und herreisen. Die ganzen Berichte, die ich bisher aus den Nachbarländern gehört habe, klingen extrem vielversprechend (außer die aus Kambodscha, hier heisst es meist nur: Angkor Wat ist super, darüber hinaus gibt es nicht viel zu sehen).

 

Kaum sind wir mit dem Essen fertig, werden wir auch schon wieder herunter gerufen, zur Live Show mit internationalen Stargästen und Musik aus aller Welt. Hört, hört!
Ein Schlagzeug wird aufgebaut, bestehend aus zwei großen Kochtöpfen, bespannt mit Plastik und einer Bassdrum aus einer Mülltone, die E-Gitarre wird eingesteckt und die Mikrofone bereit gelegt. Der erste Stargast ist Whoopie, der schönste Ladieman der Welt. Unter unserem tosenden Gejubel, betritt einer unserer Guides, gehüllt in ein Hauch aus rosafarbenen Nichts und einer Damenperücke die Bühne. Die Gitarre ächzt und stöhnt aus den Lautsprechern, die Drums knarzen und scheppern vor sich hin und unser Ladieman kreischt ins Mikrofon. “I can’t take my Eyes of you”. Was für ein unsagbar herrlich-skurriles Bild (und Ton). Die Skurillität wird nur noch dadurch getoppt, dass mich der gute Mann auf die Bühne holt, sein Kleid bis zur Hüfte hinunterzieht und mein Gesicht zwischen sein Kokosnussschalen-BH drückt. Danke Whoopie!

 

Nach dieser Showeinlage sind die Gäste selber gefragt, denn jetzt kommt der internationale Teil der Show. Die einzelnen Nationalitäten werden auf die Bühne gerufen und müssen einen Standardsong aus ihrem Land zum besten geben. Welchen Song, kann man sich allerdings nicht aussuchen. Die Band spielt los und unser Guide hilft ein wenig nach, so dass man annähernd erahnen kann, welchen Song die Band mit ihrem Gerumpel meint. Die Songs sind allesamt Klischee-Klassiker. Unsere drei australischen Grazien beispielsweise müssen “Land down under” von Met at Work zum besten geben, wohingegen Boris und Ich mit “Marmor, Stein und Eisen bricht“ punkten müssen. Gut für uns, dass die Band lediglich den Refrain beherrscht, den kriegen wir gerade noch so zusammen. Es folgen ein vietnamesischer und ein chinesischer Song, bevor die Band anfängt für die Amerikaner “Hotel California” zu spielen.
Was jetzt passiert, klingt unglaublich, ist aber wirklich so passiert:

 

Während der Livenummer, legt ein anderes, kleineres Touristenboot  neben uns an und einer der anderen Guides entert unser Boot. Er schnappt sich, mitten während des Songs die Gitarre, spielt weiter und legt ein wirklich erstaunliches Gitarrensolo hin. Er spielt im Stehen, im Sitzen, im Liegen, hinter dem Nacken und mit seinen Zehen(!). Unter tosendem Applaus unsererseits, fängt er nun an den kompletten Song(!) mit seinen Zähnen(!!!) zu spielen. Wir kommen aus dem Lachen und gleichzeitigen Staunen nicht mehr heraus. Was für ein Freak und was für ein unglaublich guter Gitarrist.

Wir geniessen den Rest der Show, bis endlich angekündigt wird, dass nun die Floating Bar geöffnet hat, und wir zur Abkühlung ins Meer springen dürfen. Wir fackeln nicht lange, entern erneut das Bootsdeck und springen von dem vier Meter hohen Deck direkt ins Meer. Herrlich. Die Floating „Bar“ entpuppt sich als von Wasserbällen gehaltenes Mini-Eisengerüst, in dem sich ein Barmann mitsamt Flaschen befindet und umsonst Vodka-Cocktails ausschenkt. Wir befinden uns derweil mit unseren dicken Touristenärschen in kleinen bunten Rettungsringen, lassen uns treiben und geniessen die Free-Drinks. Herrlich im Urlaub.

 

Leider hält dieser Zustand nicht ewig an. Nach nur 20 Minuten wird unser Cocktailidyll wieder zerstört. Wir müssen weiter zur letzten Insel.

 

Dort angekommen steht noch eine letzte Stunde Entspannen, Sonnen und Baden auf dem Programm.
Da es immer noch unglaublich warm ist, entscheide ich mich für letzteres und gehe mich noch einmal im Meer abkühlen. Ich werde ein bisschen wehmütig, als mir bewusst wird, dass dies wohl mein letztes Baden im Meer, für vermutlich das nächste halbe Jahr sein wird. Heute Abend geht es nach Saigon und von dort aus übermorgen wieder zurück ins kalte Deutschland. Und da gehe ich bestimmt um diese Jahreszeit nicht mehr ins Meer.

 

Wir werden zurück zum Boot gerufen und ich schwimme an den Strand um mich abzutrocknen. Auf meinem Handtuch wartet mein persönliches, tierisches Abschiedskommittee:

 

Tschüss Strand, Tschüss Meer! Aber zum Glück noch nicht Tschüss Vietnam. Ich gespannt welche Überraschungen die größte Stadt des Landes und gleichzeitig auch die letzte Stadt unserer Reise, noch so für uns bereithält…

 

Hi, ich bin Sören
Musiker, Schauspieler und leidenschaftlicher Reisender.

Ich habe nicht umsonst ein Album, dass „Fernweh“ heisst. Lasst mich Euch auf dieser Seite damit anstecken und zu Euren eigenen Abenteuern inspirieren.

Auch Selbstständig/Freiberufler?
Diese Online-Buchhaltung erleichtert mir seit Jahren enorm das Leben.

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