•  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Gefahrene Kilometer: 40 – Pilanesberg Campsite – Sun City – Pilanesberg Campsite

 

Der Tag beginnt wie immer, mit einem kleinen Frühstück. Danach satteln die Fahrer die Autos um, schließlich müssen die Rückbänke heute für die Mitfahrer freigeräumt und die Dachzelte eingeklappt werden. Noch kurz auf die Toilette und es geht los nach Sun City. Während der Fahrt zaubert Sunny, unserem Horis eine neue Bartfrisur. Zwei Zöpfe im Bart sollen Glück für die Pokerpartien bringen. Zusätzlich wird sein wallendes Haupthaar auch noch einer Flechtkur unterzogen und zu einem Lara Croft-Zopf geformt. Bruder Rectus entzieht sich so nun jeglicher ethnischer Einordnung und soll die Mitspieler am Pokertisch verwirren. Ein verwegener Plan. Caros Dekolletté wird dem Plan folgend, um einige Etagen tiefer gelegt, auf dass ihre Mitspieler vor lauter Gaffen nicht mehr auf ihre Karten achten mögen. Überhaupt werden alle unsere Spieler hervorragend aufs Gewinnen vorbereitet. Die Fahrt nach Sun City dauert in etwa dreissig Minuten. Angekommen im Park wollen wir mit der Einschienenbahn in den Casinokomplex hereinfahren und warten circa zwanzig Minuten am Shuttle Bahnhof auf den Zug. Nach weiteren zehn Minuten des Wartens teilt man uns mit, dass die Bahn leider gerade einen Defekt hat und wir den Bus nehmen müssen. Das fängt ja großartig an…

 

 

Erneute zwanzig Minuten später sind wir endlich in Sun City angekommen. Die erste Runde durch den Komplex wird gedreht, das laut wummernde, tutende, klingelnde und blinkende Entertainment Center wird durchschritten, oh mein Gott, was für eine Reizüberflutung nach all den Tagen in der Wildnis. Danach betreten wir die Bridge of Time. Hier wird, laut Führer, ein künstliches Erdbeben simuliert. Die Brücke und Ihre Pfeiler zieren künstliche Risse und Spalten, doch bis auf ein wummern und knacken aus ein paar Lautsprechern und unglaubliche minimalistische Bewegungen der Blumenkübel und Mülleimer, kann von einem “Erdbeben” nun wirklich nicht die Rede sein. Enttäuschend.

Direkt dahinter ist der Bereich, der sich Valley of Waves nennt. Ein großer Wasserpark mit Wellenbad, künstlich aufgeschüttetem Strand und diversen Rutschen. Das sieht nach Spaß aus. Dahinter sieht man die Spitzen des Palace Hotels „Lost City“. Das Hotel soll an eine alte Ruine erinnern (also rein vom Baustil her, nicht das Interieur). Das billigste Zimmer hier liegt bei 600$. Pro Nacht! Für die Suiten sind die Preise klar, nach oben hin offen. Leider ist der Zutritt ausschließlich für Hotelgäste erlaubt und extrem gut gesichert. Hier werden wir wohl also nicht reinkommen… Schade, dass hätte ich zu gerne mal gesehen.

 

Aber wir haben ja noch nicht alles gesehen. Durchs Entertainment Center geht es zurück zum Casino im Hotel. Sunny entdeckt auf dem Weg durchs Kinderparadies einen rosa Elefanten zum darauf reiten und kann nicht widerstehen. Schmollend sitzt und weint sie so lange und so laut auf dem Minielefanten, bis der großherzige Bruder Rectus endlich einen Penny einwirft und sich das Ding ruckelnd in Bewegung setzt.

Im Casino angekommen müssen wir nüchtern feststellen, dass das mit “zweitgrößten Casinokmplex der Welt” wohl nur ein netter Werbegag sein kann. Groß ist was anderes. Vielleicht, wenn man den Golfplatz und sämtliche Areas aller Hotels dazurechnet, die Casinos an sich sind eher klein. Nichtsdestotrotz, jetzt muss gespielt werden!

 

Sunny und ich lassen die anderen Meditieren und sich konzentrieren und verziehen uns in den Wasserpark. Schließlich warten jede Menge Rutschen, unter anderem eine Kamikaze-Rutsche, darauf ausprobiert zu werden.

Der Wasserpark ist herrlich und glücklicherweise auch nicht all zu voll. Die Wellen in der Mitte sind großartig und wechseln sich zwischen angenehmen Wellengang und Tsunami-Welle ab. Die Riesenwelle macht einen Mordsspaß. Die Rutschen sind mäßig bis echt super. Mein Highlight ist neben der 35 Meter hohen Kamikaze Rutsche (das Bremsen tut immer so am Arsch weh) eine Rutsche die sich Tarantula nennt. Eine enorm schnelle Rutschbahn in völliger Dunkelheit. Man weiss nie in welche Richtung die nächste Kurve geht, absolut geil. Die beiden Reifenrutschen sind ebenfalls klasse, wobei die Reifenrutsche im dunkeln nicht halb so steil ist wie die im hellen und damit langsamer und unspektakulärer. Alles in allem machen die Rutschen aber echt Laune und unsere drei Stunden im Wasserpark vergehen wir im Flug.

Wir treffen uns im Casino wieder und planen das weitere Vorgehen. Wie gesagt, waren alle recht enttäuscht von Sun City und haben in den drei Stunden alles gesehen, was es hier zu sehen gibt. Sunny, Alea und ich beschließen noch ein klein wenig im Wasserpark zu planschen, Bruder Rectus möchte dem alten Spruch: “Pech in der Liebe Glück im Spiel” noch auf den Zahn fühlen und geht erneut ins Casino. Als wir wieder im Wasserpark ankommen ist dieser gerade im Begriff geschlossen zu werden. Wir schummeln uns, ohne erneut Eintritt zahlen zu müssen, an den Securitys vorbei, die um diese Uhrzeit nicht mehr besonders gut acht geben und pellen uns schnell aus den Klamotten. Alea will unbedingt noch die Kamikaze Rutsche ausprobieren und erklimmt den Berg. Oben angekommen macht er Bekanntschaft mit einem der Bademeister, der unseren Schreihals, nach einigem hin und her tatsächlich noch rutschen lässt.

 

Wieder unten angekommen beschliesst Alea, noch einmal den Berg zu erklimmen, allerdings nicht um noch einmal zu rutschen, sondern um den netten Bademeister zu fragen, ob es nicht doch noch irgendeine Möglichkeit gibt, in unserer letzten Stunde hier Lost City zu besichtigen. Probieren geht bekanntlich über studieren und so sagt der nette, junge Bademeister prompt zu, uns das für nicht Gäste sonst verschlossene Hotel zu zeigen.

 

Er schleust uns in einen “Nur-für-Personal” Shuttle-Bus an der bewachten Schranke vorbei zum Eingang des Hotels. Schon dieser ist mit der Bronze-Skulptur zweier Leoparden, die eine Horde Springböcke jagen und dem dahinter befindlichen Springbrunnen aus Oryxköpfen, ziemlich… nun… eindrucksvoll, um nicht zu sagen protzig. Überall stehen Wachleute mit Knöpfen im Ohr. Die Securities an der linken Seite des Hotels sind Freunde unseres Bademeisters. Diese beschliessen uns einfach nicht zu sehen. Und schwupps, sind wir im Hotel. Uns bleibt der Mund offen stehen. Was für ein krasser Luxusschuppen!

 

 

 

 

Unser Privatguide steuert sofort auf den ersten Aufzug zu und drückt, während er seinen Schlüssel in den Aufzug steckt, das für Gäste geschlossene, neunte Obergeschoss. Die Tür öffnet sich zur anderen Seite und gibt den Weg frei zu den Gemächern des Personals. Von hier kommen wir auf den höchsten Turm des versunkenen Palastes. Wir können über ganz Lost- und Sun City blicken. Was für ein Ausblick!

 

 

Wieder unten führt uns Ishmay an den Pool und zeigt uns den unglaublichen Außenbereich des Nobelhotels. Von der Poolseite sieht das ganze Hotel tatsächlich so aus, als wäre es gerade eben erst aus einer Erdspalte empor geschossen und das Wasser läuft noch an der Unterseite ab. Gigantisch! Dieser kleine Ausflug hat sich doch noch voll gelohnt.

 

 

Die Eingangshalle, die uns zum Abschluss gezeigt wird, ist dann auch der absolute Höhepunkt. Zwei marmorne Treppen, führen an einem riesengroßen Mosaik vorbei hinunter zum eichenen Tisch mit den Weinen des Abends. Die Fenster, die den Erker rundherum umgeben sind ungefähr zwölf Meter hoch und lassen viel Licht herein. Die ganze Halle wird gestützt durch jadesteinerne Säulen. Jede einzelne Säule ist ein Kunstwerk für sich. Die gesamte Atmosphäre hier atmet Reichtum und Prunk, ohne dabei in irgendeiner Weise kitschig  zu wirken.  

 

 

Nachdem wir uns noch ein bisschen mit Ishmay unterhalten und ihm noch den ein und anderen Dollar zugesteckt haben für diese tolle Gelegenheit (und dafür, dass die Bänder der Videokameras nicht so genau angeschaut werden), nehmen wir wieder den Staff-Bus und fahren zurück, unseren kleinen Halb-Ägypter aus seinem Spiele-Paradies abholen. Horis hat, wie alle anderen auch, leider alles verloren. Kein Glück im Spiel, kein Glück in der Liebe. Tja Bruder Rectus, das Leben ist kein eben kein Ponyhof.

Zurück auf der Camp Site ist alles still. Schlafen die etwa alle schon? Ach Quatsch, die sitzen bestimmt in der Bar und betrinken sich. Doch auch in der Bar, Pustekuchen. Niemand da. Wo sind die bloß alle hin?

 

Der Highlander, hier in Afrika hat sich der Name Highli eingeschlichen, löst das Rätsel auf. Die ganze Bagage sitzt, aufgrund eines kräftigen Regenschauers, mitsamt unserem Alkohol im Damenklo.

 

Wir steuern auf den gemauerten Bau zu und hören schon von weitem Caros unverwechselbares Lachen. Tatsächlich, dort sitzen sie, die Beine in einer mit warmen Wasser gefüllten Badewanne, jeder einen Whisky-Cola in der Hand, quatschen und trinken. Auch hier ist die Atmosphäre unbeschreiblich, allerdings dezent anders als in dem Prunkhotel.

 

Wir gesellen uns noch eine Weile dazu, dann fallen mir langsam aber sicher die Augen zu und ich beschließe mich ins Dachzelt zu verdrücken, schließlich wird die Fahrt morgen wieder lang.

 

Hi, ich bin Sören
Musiker, Schauspieler und leidenschaftlicher Reisender.

Ich habe nicht umsonst ein Album, dass „Fernweh“ heisst. Lasst mich Euch auf dieser Seite damit anstecken und zu Euren eigenen Abenteuern inspirieren.

Auch Selbstständig/Freiberufler?
Diese Online-Buchhaltung erleichtert mir seit Jahren enorm das Leben.

Teile den Artikel mit deinen Freunden:
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
Ähnliche Artikel
Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Impressum & Datenschutz | © 2018 – Sören Vogelsang

Scrollup