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Heute war wieder früh aufstehen angesagt, da wir vor unserer Fahrt nach Hoi An schließlich noch die Hauptattraktion hier in Hue, die Zitadelle in der verbotenen Stadt besichtigen wollten. Hier braucht man, anders als in den Nguyen-Grabstätten rund um Hue, schon deutlich mehr Phantasie, um sich den alten Prunk und Protz der hier einst geherrscht haben soll, noch vorstellen zu können. Von den einstmals 300 Gebäuden der mächtigen „Stadt in der Stadt“ sind nur 80 überhaupt noch als solche erkennbar, von denen nur noch circa die Hälfte vollständig und von diesen wiederum die Hälfte halbwegs restauriert. Nichtsdestotrotz, interessant ist es allemal, kann man hier doch ein Stück Geschichte besichtigen.

Zurück sind wir Mototaxi gefahren. Einen Preis genannt, stur bei diesem geblieben und zack, zu dritt ab auf den Roller. Irgendwie kam mir noch vor einer Woche sowohl das Feilschen, als auch die Aktion einen Roller mit mehr als zwei Leuten zu benutzen sehr viel fremder und weiter weg vor. Wie schnell man sich an so etwas gewöhnen kann…

 

Im Hotel frage ich noch einmal nach einem bestimmten Mittelalter-Shop, der in meinem Online-Reiseführer stand, den ich aber trotz Suche nicht finden konnte. Der Hotelinhaber, ein unglaublich freundlicher Mann Anfang 30, bedeutet mir auf seinen Motorroller zu steigen. Kurzerhand fährt er mich zwei Straßen weiter und zeigte mir, wo der Shop ist, dieser war allerdings leider geschlossen, also fuhr er mich postwendend zum Hotel zurück. Verlangt, hat er dafür gar nichts. So, nun aber schon noch etwas essen, unsere Zeit heute ist schließlich knapp bemessen.

Wir kehren wider besseren Wissens in ein Restaurant ein (die Straßenküchen sind einfach zu weit entfernt) und essen noch schnell zu Mittag, bevor es an Bord des Busses nach Hoi An geht. Zurück im Hotel kann ich das Ticket für die Busfahrt (die in zehn Minuten beginnen soll) nicht mehr finden. Ich erinnere mich allerdings daran, es noch morgens beim Aufräumen meiner Geldbörse in der Hand gehalten zu haben. Das einzige, was mir passiert sein kann, ist dass es aus Versehen, bei den Papieren die ich nicht mehr brauchte, mit im Müll gelandet ist.
Ich beschrieb der netten Hoteldame meine Sorge. Das sei kein Problem, sagt sie, lächelt mich an und telefoniert kurz mit ihrem Handy. Da man hier nie so richtig weiss, ob man auch richtig verstanden wurde, frage ich noch einmal nach. Ja ja, sie habe schon verstanden. Ihr Handy klingelt, sie geht ran und weist mich an ihr zu folgen.
Sie geht die Treppe hinauf zu unserem Zimmer, so denke ich zumindest. Ich bin ein wenig verunsichert ob sie mich wirklich richtig verstanden hat, als wir einfach an unserem Stockwerk vorbei gehen, bis hinauf auf den Speicher. Hier oben gibt es eine große Pappkiste, in der der Papiermüll liegt (die trennen hier Müll?!).
Ich fange an in der Kiste zu wühlen, sie wühlt fleissig mit und nach kurzer Zeit habe ich das Ticket heraus gefischt. Meine Zerstreutheit. Herr Vogelsang in seinem Element…

Boris nimmts gelassen, als ich mit den Tickets in der Hand wedelnd, die Treppe herunter komme.

 

Keine Minute zu spät, denn gerade als ich mich wieder zu Boris setzen will, fährt auch schon der Bus vor. Ein Liegebus. Häh? Wir haben doch aber nur einen Sitzbus bezahlt…? Die Tickets werden allerdings akzeptiert. Nun ja, dann wird das wohl so stimmen.

 

Und ab geht’s, nach Hoi An.
Hanoi, Hoi An, Nha Trang, Nhi Trung, Cat Ba, Sa Pa, Cat Cat….  so langsam komm ich hier mit den Namen echt durcheinander, das klingt für meine europäischen Ohren alles so gleich.

 

Nach ungefähr zwei Stunden fährt der Bus an eine Tankstelle. Man geht fix aufs Klöchen, macht schnell eins, zwei Besorgungen, und dann solls auch schon weiter gehen… Eigentlich… Leider ist unser Kupplungsseil mit dieser Planung aber nicht ganz einverstanden und beschliesst spontan zu reissen. Drei Mechaniker der Tankstelle sind sofort zur Stelle und reparieren im Akkord. Ein Fahrradhändler, der gerade an der Tankstelle vorbei fährt sieht uns dort stehen und wittert das Geschäft seines Lebens.

 
Ich bin neugierig was in den Kesseln ist, da es dampft und echt lecker riecht. Schnell von 20.000 auf 10.000 Dong herunter gehandelt und eines der dampfenden Brote gekauft. Es stellt sich als eine Art Mischung aus Dampfnudel und Frühlingsrolle heraus. Sehr frisch, heiss und lecker.

 

Meinem Beispiel folgen noch einige andere im Bus und er macht hier wohl gerade tatsächlich das Geschäft des Tages.

Das Austauschen des Kupplungsseiles dauert nicht mal Stunde und es kann weitergehen. Mir fällt schon wieder auf, dass ich „dauert nicht mal“ schreibe, anstatt „wir haben eine Stunde Verspätung“ schreibe… Man gleicht sich an die vietnamesische Gelassenheit an. Mal sehen wie lange diese zurück in Berlin anhält. Ob ich im M41 von Neukölln zum Hauptbahnhof auch irgendwann denke „Mensch, nur eine Stunde mehr“?

Zum Glück ist Hoi An nicht all zu weit entfernt, so dass wir nach ungefähr vier Stunden Fahrt schon am Ziel sind. Der Weg an sich ist aber auch wieder mal alles andere als langweilig. Sollte ich irgendwann noch einmal nach Vietnam kommen, werde ich dieses wunderschöne Land ausschließlich mit dem Motorrad bereisen. Aussicht gefällig?

Wir beziehen unser Hotel und gehen erst einmal in die Stadt. Der erste Eindruck ist phänomenal. Kleine Händlerhäuser in Terracotta- und anderen milden Farbtönen drängen sich dicht an dicht in den kleinen Gassen. Der Baustil erinnert ein bisschen an Kolonialarchitektur. Kleine mit Eisengittern beschlagene Fenster, gusseiserne Balkone, gedrungene Häuschen, die warmen Farben…

Wir kommen an eine kleine Brücke die über und über mit bunten Lampions behängt ist. Auch die Bars und Restaurants am anderen Ufer leuchten bunt und warm zu uns herüber. Wow, ist das schön hier!
Wir sind gespannt, wie uns die Stadt morgen am Tage gefallen wird.

Erst einmal ein Paar der Schneiderlädchen anschauen. Hoi an ist ja nicht umsonst bekannt als „die Schneiderstadt“. Hier ist wirklich ein Schneider neben dem anderen. Die Schnitte sind zumeist sehr westlich, die Kleidung ziemlich oft die Gleiche. Man versucht uns, sobald man sich nur im Entferntesten für ein Kleidungsstück interessiert sofort in den Laden herein zu ziehen. Many Colors, many materials, you can choose. So so, na, dann schauen wir uns das doch morgen mal genauer an. Schließlich habe ich über die Stadt schon viel vorher gelesen, und fest geplant mir hier einen maßgeschneiderten Anzug zuzulegen. Die Preise für so etwas hier betragen ungefähr ein Zehntel von dem, was man in Deutschland dafür zahlen müsste. Aber dazu morgen mehr.

Wir lassen uns, ob unserer Müdigkeit, der Einfachheit halber ins nächste Touristen-Restaurant fallen. Die Preise hier haben sich mal wieder gewaschen, das Essen ist wieder mal so Lala. Wie immer. Mal sehen, ob wir morgen nicht besseres und günstigeres Straßen-Essen ausmachen können.

 

Hi, ich bin Sören
Musiker, Schauspieler und leidenschaftlicher Reisender.

Ich habe nicht umsonst ein Album, dass „Fernweh“ heisst. Lasst mich Euch auf dieser Seite damit anstecken und zu Euren eigenen Abenteuern inspirieren.

Auch Selbstständig/Freiberufler?
Diese Online-Buchhaltung erleichtert mir seit Jahren enorm das Leben.

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